Kunstsymposium der ELKB

Kelche, Glocken und Gemälde

Kirchen werden umgewidmet, aufgegeben, profaniert. Doch wohin mit Kelchen, Paramenten, Kruzifixen oder wertvollen Gemälden? Das Kunstsymposium der bayerischen Landeskirche sucht nach Lösungen und zeigt: Einfach wird das nicht.

Wenn Gemeinden schrumpfen und Kirchen entwidmet werden, bleibt die Frage, was mit Kelchen und Glocken, Paramenten und Kruzifixen, Gemälden und Vasa Sacra geschieht. Wohin mit dem Kulturgut? Alles in ein Depot lagern? Verkaufen, verschenken oder gar vergraben? Bei einem Kunstsymposium der bayerischen evangelischen Landeskirche auf der Veste in Coburg wurde nach Lösungen gesucht. 

"Das Thema bewegt die Menschen", konstatierte der Kunstbeauftragte für den Kirchenkreis Bayreuth, Pfarrer Christian Rosenzweig, in seiner Begrüßung auf der Coburger Veste, wenige Meter neben Luthers Wirkstatt. Mehr als 90 Teilnehmende hatten sich zur Tagung des Kunstreferenten der bayerischen Landeskirche, Helmut Braun, angemeldet, die konfrontativ mit dem Titel "Ist das Kunst - oder kann das weg" geworben hatte.

"Ein respektvoller und sensibler Umgang mit Erinnerungen, die dem Glauben Heimat geben"

Regionalbischöfin Berthild Sachs

Mit der Entwidmung und Aufgabe von Kirchengebäuden stehe kirchliches Inventar zur Disposition. Einen "gemeinsamen Fahrplan" für den Umgang mit diesem Kulturgut aber gebe es noch nicht. Rosenzweig setzte gleich zu Beginn der Veranstaltung den Ton: "Loslassen bedeutet nicht scheitern", ermutigte er die Gäste, vielmehr gelte es, neue Wege zu suchen für den Umgang mit dem Kulturgut. 

Die evangelische Regionalbischöfin Berthild Sachs aus Bayreuth betonte, wie sehr die Debatte aus der kirchlichen Nische herausgewachsen sei. Inzwischen vergehe kaum noch ein Tag ohne einen Medienbericht über bedrohte Kirchen, immer häufiger gehöre die Entwidmung von Kirchen zum Alltag.

Der Leiter des Kunstreferats der bayerischen Landeskirche, Helmut Braun, schilderte, wie sehr die Kirchen unter Druck stehen. Die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirche sinke rapide, Budgets und Personal stünden unter starkem Sparzwang, bis 2025 sei geplant, "50 Prozent aller kirchlichen Immobilien zu transformieren", so Braun. Insbesondere die Kirchenbauten, die nach 1945 entstanden, würden deshalb nun häufig entwidmet oder veräußert. 

Doch was geschieht mit der Ausstattung? In der evangelischen Kirche seien Kelche oder Paramente nicht "heilsnotwendig". Doch seien diese Dinge "theologisch, historisch, geschichtlich hoch emotional aufgeladen", so der Kunstreferent Braun. In viele Gegenstände hätten sich "liturgische Spuren" eingeschrieben, es gebe eine "Resonanz zwischen den Dingen und den betroffenen Menschen".

Wie eine Ausgliederung, Entwidmung und Entsammlung bei Kirchen aussehen könnte, schilderte der Museumsexperte Georg Waldemer. Wie die katholische Kirche mit dem Kulturgut umgeht, erläuterte Birgit Kastner von der Hauptabteilung Kunst und Kultur des Erzbistums Bamberg. Der ehemalige Direktor des Museums für Sepulchralkultur, Reiner Sörries, zeigte anhand eines fiktiven Beispiels, wie das Kulturgut einer Kirche systematisch zerlegt, verschenkt oder vergeben werden könne.

Am Ende der Tagung stehen viele offene Fragen, aber auch der Wunsch, dass sich die Kirchen öffnen für die Zivilgesellschaft. In der lebhaften Diskussion mit dem Publikum wurden weitere Ideen formuliert.

15.01.2025
Witt/ELKB